Die Brandmauer und der Verlust der Mitte

Weiter geht der Sturm – diesmal durch die Debatte um die Brandmauer. Eine Mauer gegen rechts, eine gegen links, und irgendwo dazwischen das Niemandsland, das man früher einmal politische Mitte nannte. Ich stehe für eine klare Grenze gegen jede Form von Radikalismus – ob von rechts oder von links. Wer Deutschland kennt, wer seine Narben kennt, der weiß, dass beide Extreme schon einmal Mauern gebaut haben, nicht nur aus Beton, sondern aus Angst, Schweigen und Kontrolle.

Aber dazwischen, im vermeintlich sicheren Raum der Mitte, herrscht mittlerweile Ratlosigkeit. Eine CDU, die einst das Rückgrat des Landes war, hat ihre Wirbelsäule weichgeknetet – aus Angst, nicht mehr zu gefallen. Man wollte mitregieren, koste es den Charakter. So hat man sich an die Ränder herangeschmiegt, erst an die grünen, dann an die roten, und irgendwann hat man vergessen, dass man selbst einmal das Zentrum war.

Ich habe nie etwas gegen spröde, konservative Politik gehabt. Sie war verlässlich, berechenbar, manchmal langweilig – aber nie hysterisch. Franz Josef Strauß sagte einst, rechts von der CSU dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Heute gibt es sie, und sie wächst, weil man ihr das Feld überlassen hat. Man hat konservative Werte ausgelagert, als wären sie Altlasten aus einer vergangenen Epoche. In Wahrheit waren sie der Anker.

Die AfD ist für mich kein Partner, sie ist ein Konkurrent. Nicht auf dem Markt der Ideen, sondern auf dem Markt der Gefühle. Sie verkauft Sicherheit, Heimat und gesunden Menschenverstand – Begriffe, die die Union längst aus dem Sortiment genommen hat. Die CDU hat zugelassen, dass ihre stärksten Markenwerte von einer Partei kopiert werden, die keinerlei Beweis ihrer Ernsthaftigkeit liefern muss. Es ist, als hätte ein Plagiator das Original verdrängt, nur weil er lauter schreit und grellere Farben nutzt.

Ich brauche keine Zusammenarbeit mit dieser Partei – im Gegenteil. Ich muss sie wie einen Marktteilnehmer betrachten, der meine Sprache spricht, aber nicht mein Handwerk beherrscht. Eine Marke, die mit meinem Etikett Werbung macht, ohne das Produkt zu verstehen. In der Wirtschaft nennt man so etwas: feindliche Übernahme.

Wenn die CDU ihre Mitte wiederfinden will, muss sie begreifen, dass Anpassung keine Strategie ist. Wer überall andockt, verliert den eigenen Kurs. Der Kompass zeigt nicht mehr nach Norden, wenn man ständig nur nach den Umfragen segelt.

Wir steuern wirtschaftlich wie politisch auf eine Katastrophe zu – getrieben von Ideologien, gebremst von Feigheit. Und inmitten dieses Sturms verlieren jene das Steuer, die eigentlich das Handwerk des Regierens verstehen müssten. Eine Partei, die den Schatz ihrer Erfahrung im Maschinenraum liegen lässt, darf sich nicht wundern, wenn das Schiff driftet.

Kurs halten – aber wieder selbst steuern

Es gibt diesen Moment auf See, wenn der Wind dreht, das Segel flattert und man spürt: Jetzt entscheidet sich, ob man segelt oder getrieben wird. Genau an diesem Punkt steht die CDU. Sie kann wieder segeln – aber dafür muss sie erst den Kompass aus dem Schrank holen, den sie seit Jahren ignoriert.

Wir haben uns in der Mitte eingerichtet wie in einer gut geheizten Kajüte. Man hört den Sturm draußen, aber man redet sich ein, er werde schon vorbeiziehen. Doch draußen auf Deck tobt längst ein Kampf um Deutungshoheit – um das, was Vernunft, Verantwortung und Freiheit wirklich bedeuten. Während die Ideologen von links und rechts lautstark die Welt erklären, schweigt die Mitte aus Angst, anzuecken. Und so verliert sie ihre Sprache, bevor sie ihre Macht verliert.

Ich glaube, die CDU muss wieder lernen, unbequem zu sein – aber mit Haltung, nicht mit Lautstärke. Sie muss wieder Mut zur spröden Wahrheit haben, zur Ehrlichkeit, die weh tut. Es braucht keine neuen Schlagworte, sondern alte Tugenden: Anstand, Maß, Fleiß und Verantwortung. Das sind keine altmodischen Vokabeln, sondern das Fundament, auf dem man auch in stürmischen Zeiten stehen kann.

Wir müssen aufhören, Politik als Marketing zu verstehen. Denn wenn man die Menschen nur noch als Zielgruppen betrachtet, dann verliert man irgendwann den Menschen selbst. Die CDU darf kein Produkt für alle sein, das am Ende niemandem mehr schmeckt. Sie muss wieder ein Angebot machen, das Haltung zeigt – nicht nur Position.

Es geht nicht um das Kopieren der Populisten, sondern um die Rückkehr zur eigenen Sprache. Eine Sprache, die Klarheit ausstrahlt und nicht kalkuliert wirkt. Die wieder Vertrauen weckt, weil sie ehrlich ist. Die sagt: Wir wissen nicht alles, aber wir tragen Verantwortung für das Ganze.

Ich wünsche mir eine Partei, die wieder den Mut hat, gegen den Wind zu stehen, statt sich in jede Strömung zu legen. Eine CDU, die nicht versucht, jedem Sturm auszuweichen, sondern die wieder weiß, wofür sie das Steuer hält. Die sich erinnert, dass Politik kein Selbstzweck ist, sondern Dienst am Menschen – und dass Dienst am Menschen bedeutet, ihn ernst zu nehmen, nicht ihm nach dem Mund zu reden.

Die Mitte ist kein Ort der Beliebigkeit, sondern der Balance. Aber Balance verlangt Standfestigkeit. Und wenn man im Sturm steht, reicht es nicht, den Kurs anderer zu kommentieren – man muss selbst steuern.

Gegen den Wind

Es gibt Tage, da frage ich mich, warum ich mir das immer wieder antue – gegen den Strom zu schwimmen, während alle anderen längst bequem treiben. Aber dann erinnere ich mich daran, warum ich es tue: Weil Bequemlichkeit immer der Anfang vom Ende ist. Ob im Beruf, im Denken oder im Sport.

Ich habe mich nie für den einfachen Weg entschieden. Ich stehe für ehrliche, handwerklich hergestellte Nahrung, weil ich weiß, was passiert, wenn man sie der Industrie überlässt. Ich habe gesehen, wie aus Lebensmitteln Produkte wurden, aus Qualität Kennzahlen und aus Menschen Konsumenten. Die Industrialisierung der Nahrung ist längst zur Industrialisierung des Menschen geworden – und sie macht uns krank.

Ich glaube an das Handwerk, weil es mehr ist als eine Produktionsform. Es ist eine Haltung. Es steht für Zeit, Verantwortung, Wissen. Für den Mut, Dinge richtig zu tun, auch wenn es länger dauert.

Diese Haltung habe ich aus dem Rugby mitgenommen – einer Sportart, die in Deutschland erstaunlich wenig verstanden wird. Dabei hat Rugby hier Tradition. Schon lange vor dem Ersten Weltkrieg wurde in deutschen Vereinen Rugby gespielt. In Städten wie Heidelberg, Hannover oder Frankfurt gehörte es selbstverständlich zum Vereinsleben. Es war der Sport derer, die sich im Körperlichen, im Ehrlichen, im Zusammenhalt suchten.

Doch wie so oft, wenn etwas Disziplin, Schmerz und Geduld verlangt, hat man sich irgendwann abgewandt. Man zog den bequemeren Weg vor – wie in so vielen Bereichen. Und so verloren wir auch hier den Anschluss. Während die Welt Rugby zu einer der populärsten Sportarten machte, schauten wir lieber dem Ball hinterher, der leichter rollt und weniger weh tut.

Rugby ist für mich das Gegenbild zur Bequemlichkeit: hart, aber fair. Direkt, aber respektvoll. Jeder Schlag trifft, aber keiner trifft unter der Gürtellinie. Es ist ein Spiel, das einem lehrt, zu kämpfen, aber mit Haltung. Zu verlieren, aber mit Würde. Und zu gewinnen, ohne den anderen zu demütigen.

Genau das fehlt mir in unserer Gesellschaft – im Sport, in der Wirtschaft, in der Politik. Wir haben verlernt, dass Respekt nicht bedeutet, es allen recht zu machen. Wir haben verlernt, dass Stärke nicht laut sein muss, sondern verlässlich. Und wir haben verlernt, dass Regeln nicht dazu da sind, uns zu hemmen, sondern uns zu schützen.

Wenn ich sehe, wie Deutschland wirtschaftlich taumelt, fühle ich mich an den Rugbyplatz erinnert. Wir stehen in der Verteidigung, aber keiner ruft mehr das Kommando. Jeder wartet darauf, dass der andere tackelt, doch niemand geht mehr rein. Wir verlieren Boden, nicht weil wir schwach sind, sondern weil wir träge geworden sind.

Wir lassen uns von einer Meinungselite leiten, die Verantwortung mit Besitz verwechselt, Expertise mit Rhetorik. Ein Land, das sich auf der Ersatzbank der Geschichte ausruht, darf sich nicht wundern, wenn es aus dem Spiel genommen wird.

Darum glaube ich: Wir brauchen wieder mehr Rugby im Denken. Mehr Körperkontakt mit der Realität. Mehr Bereitschaft, einzustecken, ohne nach Schuldigen zu suchen. Mehr Mut, dorthin zu gehen, wo es wehtut – auf dem Platz wie im Leben.

Ich sehe mich als jemand, der diese Werte bewahren will. Nicht als Rebell gegen das System, sondern als Verteidiger einer Haltung. Ich will zeigen, dass man gegen den Wind segeln kann, ohne den Kurs zu verlieren.

Denn manchmal ist das Richtige nicht das Bequeme – aber immer das, was bleibt.

Fleiß muss sich lohnen

Es gibt ein Wort, das man in Deutschland fast nur noch ironisch benutzt: Fleiß.

Dabei war es einmal ein Ehrentitel. Heute wird er belächelt, als wäre er ein Relikt aus der Lehrlingszeit der Nation. Man redet lieber von Gerechtigkeit, von Verteilung, von Teilhabe – alles schöne Worte, die sich gut anhören, solange jemand anderes die Rechnung bezahlt.

Aber Fleiß muss sich lohnen. Sonst verliert er seinen Sinn.

Wer morgens aufsteht, Verantwortung trägt, Risiken eingeht und Arbeit schafft, darf nicht das Gefühl haben, er tue es für einen Staat, der ihn mit der einen Hand lobt und mit der anderen Hand die Taschen leert.

Man ruft nach „Steuergerechtigkeit“, verteilt aber lieber Geschenke an jene, die schon empfangen haben. Man spricht von Solidarität, aber meint oft nur Subvention.

Und wer Wertschöpfung schafft – in Werkhallen, Büros oder Werkstätten – wird immer öfter zum Zahlmeister für Systeme, die sich längst von der Realität abgekoppelt haben.

Es ist keine Neiddebatte, wenn man sagt: Der, der etwas leistet, soll auch davon leben können.

Im Gegenteil – der wahre Neid entsteht dort, wo man denen misstraut, die mehr Verantwortung tragen.

Die CDU darf diesen Fehler nicht wiederholen. Sie darf nicht in den Chor derer einstimmen, die Leistung mit Privileg verwechseln.

Ihr Antrieb darf niemals Neid sein – sondern der Wille, zu gewinnen. Der Wille, etwas zu erschaffen, statt nur zu verteilen. Der Mut, wieder an das zu glauben, was dieses Land einmal groß gemacht hat: Arbeit, Ehrgeiz und die Freiheit, aus beidem etwas zu machen.

Der Seeräuber aus Böckingen

Manchmal denke ich, ich bin einfach zu alt für das bequeme Denken – oder zu jung, um mich damit abzufinden. Ich hab zu oft gesehen, wie man Werte weichkocht, bis sie jedem schmecken. Aber was allen schmeckt, nährt am Ende keinen.

Ich komme aus Böckingen, da sieht man noch, wenn einer arbeitet. Da redet man nicht über Haltung, da zeigt man sie. Und wenn einer fällt, wird er aufgehoben, bei jenen welche sich als noch Seeräuber sehen. Auch wir haben Probleme, mit denen welche unsere Werte ausnutzen wollen und die sind überall sichtbar. Wir lassen uns aber auch Stück für Stück von Bürokraten klein machen und so verliert auch Stück für Stück durch die Bequemlichkeit des Sozialstaats Böckingen seine ursprüngliche Haltung. Viele gibt es tatsächlich nicht mehr.

Ich wurde anders erzogen, mir wurde Haltung vorgelebt und nicht erzählt, wir gingen nie den bequemen Weg. Vielleicht bin ich deshalb so ein Seeräuber im Denken geblieben. Ich mag keine glatten Segel, ich will Wind, Wellen und ein bisschen Widerstand. Ich will wissen, dass ich lebe.

Manchmal beneide ich die, die einfach treiben können – die das Spiel mitspielen, ohne Fragen zu stellen. Aber dann erinnere ich mich, dass mich genau das kaputt machen würde. Ich brauch den Gegenwind. Ich brauch den Zweifel, um mich zu spüren.

Vielleicht ist das, was ich hier schreibe, am Ende nur mein Logbuch. Kein Manifest, kein Programm, sondern ein Bekenntnis:

·         Dass man in diesem Land wieder lernen muss, sich die Hände schmutzig zu machen – beim Arbeiten, beim Denken, beim Diskutieren.

·         Dass Fleiß sich lohnen darf, dass Anstand kein Anachronismus ist, dass Erfolg kein Verbrechen ist.

·         Dass Rugby, Handwerk und Wirtschaft mehr gemeinsam haben, als man denkt – weil sie alle den gleichen Rohstoff brauchen: Menschen mit Haltung.

Ich glaube, das ist der Punkt, an dem der Kompass im Herzen wieder schlägt. Wenn man sich nicht mehr fragt, ob der Kurs bequem ist, sondern ob er richtig ist. Wenn man nicht darauf wartet, dass einer ruft, sondern selbst ruft: Ich geh rein!

Wie beim Rugby, wie im Leben.

Ich bin kein Politiker, kein Philosoph. Ich bin ein Seeräuber aus Böckingen. Ich stehe am Bug, sehe den Sturm und geh trotzdem raus. Weil ich gelernt habe: Nur wer gegen den Wind segelt, findet heraus, wie stark er wirklich ist.

Nachbeben: Der Sturm hört nicht auf

Natürlich geht mein Sturm im Kopf weiter, wenn ich diese Zeilen lese. Wie könnte er auch ruhen, wenn das Land, das mich geprägt hat, seine Richtung verliert?
Wir sollen für Deutschland arbeiten, Steuern zahlen, dienen, verteidigen, im Sport Gold holen – aber als Gemeinschaft sollen wir uns dafür fast schämen.
Wie soll das gehen?
Wie kann man von Menschen Loyalität verlangen, wenn man ihnen die Zugehörigkeit abspricht?

Wir müssen endlich wieder lernen, dass Gemeinschaft kein leeres Wort ist. Wer sie ablehnt, darf auch nicht länger von ihr profitieren. Man kann nicht nur nehmen und sich gleichzeitig über jene erheben, die geben.
Zuerst arbeite ich für meine Familie – die kleinste und ehrlichste Form von Gemeinschaft. Dann für meinen Kiez, meine Stadt, meine Heimat. Erst dann für das große Ganze, für das Abstrakte, das wir Nation nennen.
Nicht aus Nationalstolz, sondern aus dem einfachen Wissen heraus, dass man nur gemeinsam gewinnen kann.
Das habe ich im Rugby gelernt: Kein Spieler gewinnt allein. Wer nicht Teil der Mannschaft ist, spielt gegen sie.

Und so wie im Rugby sind es oft jene, die nie auf dem Platz standen, die am lautesten über Regeln und Werte reden.
Im Leben wie im Sport sind das die größten Bremser.

Ich habe keine Angst vor diesem Sturm. Ich kenne ihn.
Er erinnert mich daran, dass wir wieder Haltung brauchen.
Dass wir wieder lernen müssen, zu kämpfen, ohne zu hassen.
Und dass wir wieder wissen müssen, wofür wir stehen – nicht gegen wen.

Vielleicht ist das mein Sturm im Kopf.
Aber solange er weht, weiß ich: Der Kompass schlägt noch.

 

Für alle die verstehen wollen warum mein Leben nicht in Social Media passen, hier das Lied dazu.


Das Bild zeigt meinen Sturm im Kopf zu verschiedenen aktuellen Themen
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