Wenn Gewerkschaften Steuerpolitik machen: Warum das DGB-Steuerkonzept 2026 gefährlich ist
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Das DGB-Steuerkonzept 2026 wird derzeit heftig diskutiert. Höhere Einkommensteuern, eine Vermögensteuer, die Abschaffung der pauschalen Abgeltungsteuer und eine stärkere Belastung von Kapital und Unternehmen sollen angeblich mehr Gerechtigkeit schaffen. Doch die entscheidende Frage lautet: Trifft diese Steuerpolitik wirklich nur „die Reichen“ — oder belastet sie am Ende genau jene Menschen, die arbeiten, investieren, vorsorgen, Unternehmen führen und Arbeitsplätze schaffen?
Gewerkschaften hatten einmal einen klaren Auftrag
Gewerkschaften hatten einmal einen klaren, notwendigen und historischen Sinn.
Sie entstanden in einer Zeit, in der Menschen mit ihrer Arbeitskraft ausgebeutet wurden. In einer Zeit, in der Arbeit nicht selten gefährlich, entwürdigend und existenzbedrohend war. In einer Zeit, in der Arbeiter oft austauschbares Material waren – Hände an Maschinen, Körper in Fabriken, Lebenszeit für den Gewinn weniger.
Dass sich Arbeitnehmer zusammenschließen, um gegen solche Zustände aufzustehen, war richtig. Es war notwendig. Und es gehört zu den großen sozialen Errungenschaften, dass Arbeit heute nicht mehr so behandelt werden darf wie damals.
Aber genau deshalb muss man heute so deutlich sagen: Die Gewerkschaften laufen Gefahr, ihren eigentlichen Auftrag zu verraten.
Denn wer sich die aktuellen Steuerforderungen des DGB anschaut, der sieht keine nüchterne Arbeitnehmerpolitik mehr. Er sieht ein steuerpolitisches Großprojekt, das tief in Eigentum, Einkommen, Kapital, Unternehmenssubstanz und private Vorsorge eingreift.
Das DGB-Steuerkonzept 2026 geht weit über Arbeitnehmerpolitik hinaus
Der DGB fordert unter anderem einen Spitzensteuersatz von 49 Prozent ab 88.800 Euro zu versteuerndem Einkommen, einen Reichensteuersatz von 52 Prozent ab 140.000 Euro, die Abschaffung der pauschalen Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge, die Wiedererhebung einer Vermögensteuer ab einer Million Euro Nettovermögen sowie langfristig eine Körperschaftsteuer von 25 Prozent.
Das ist kein kleiner sozialpolitischer Korrekturvorschlag mehr. Das ist ein Frontalangriff auf Leistung, Risiko, Eigentum und wirtschaftliche Substanz.
Und genau hier liegt die Gefahr, die in solchen Konzepten gern verschwiegen wird: Wer die Substanz und die Rücklagen des Mittelstands besteuert, trifft nicht den anonymen Großaktionär. Er greift direkt die Werkbank an. Er streicht faktisch die Investitionen in die Maschinen von morgen – und sägt damit unwiderruflich an den Arbeitsplätzen von übermorgen.
Eine Gewerkschaft darf selbstverständlich eine politische Meinung haben. Aber wenn eine Gewerkschaft anfängt, Steuerpolitik so zu gestalten, dass Unternehmer, Selbstständige, Fachkräfte, Ingenieure, private Vorsorger und Familien mit erarbeitetem oder geerbtem Eigentum immer stärker belastet werden, dann muss sie sich fragen lassen: Wen vertritt sie eigentlich noch?
Denn die Menschen, die angeblich geschützt werden sollen, leben nicht in einem luftleeren Raum. Sie arbeiten in Betrieben. Sie sind abhängig von Investitionen. Sie brauchen Arbeitgeber, die überhaupt noch einstellen können. Sie brauchen Unternehmen, die nicht jeden zusätzlichen Euro erst durch Steuer-, Abgaben- und Bürokratiewände schleppen müssen.
Wer Wertschöpfung belastet, belastet am Ende auch Arbeitnehmer
Wer Unternehmen stärker belastet, belastet am Ende nicht nur „die Reichen“.
Er belastet Preise. Er belastet Investitionen. Er belastet Arbeitsplätze. Er belastet Aufstieg. Er belastet die Mitte.
Und ja: Er belastet am Ende genau jene Arbeitnehmer, in deren Namen diese Forderungen erhoben werden.
Ein Ingenieur, ein Meister, eine Fachkraft mit Verantwortung, ein leitender Angestellter, ein gut ausgebildeter Spezialist – all diese Menschen sollen doch aufsteigen wollen. Sie sollen doch mehr leisten dürfen. Sie dürfen die 88.800-Euro-Grenze nicht als Warnschild vor der eigenen Leistungsbereitschaft erleben.
Eine Gesellschaft darf Aufstieg nicht bestrafen
Eine Gesellschaft, die Aufstieg bestraft, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann niemand mehr aufsteigen will.
Besonders bitter ist dabei: Viele dieser Forderungen kommen aus Apparaten, die selbst weit entfernt sind von echter Wertschöpfung. Von Maschinen. Von Kunden. Von Risiko. Von Haftung. Von Löhnen, die erst am Markt erwirtschaftet werden müssen, bevor man sie verteilen kann.
Es ist leicht, immer neue Steuerquellen zu erfinden, wenn man nicht täglich erleben muss, wie schwierig es ist, Wertschöpfung überhaupt noch in Deutschland zu halten.
Und genau hier liegt der Kern: Gewerkschaften sollten die Würde der Arbeit verteidigen. Nicht die wirtschaftliche Grundlage der Arbeit beschädigen.
Wenn Arbeitnehmer mehr Netto brauchen, dann müssen wir über Abgabenlast, Energiepreise, Bürokratie, Produktivität, Bildung, Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit sprechen. Wir müssen darüber sprechen, warum Deutschland immer teurer, langsamer und komplizierter wird.
Aber man löst diese Probleme nicht, indem man den Staat noch weiter aufbläht, die Steuerlast erhöht und dann so tut, als hätte das keine Folgen für Preise, Betriebe und Arbeitsplätze.
Auch die Forderung nach 20.000 neuen Finanzbeamten ist deshalb weit mehr als nur ein politischer Aufreger – sie offenbart das strukturelle Eigeninteresse der heutigen Gewerkschaften. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Während in der Industrie, im Mittelstand und im Handwerk – also dort, wo die eigentliche Wertschöpfung stattfindet – die Arbeitsplätze und damit auch die klassischen Gewerkschaftsmitglieder wegbrechen, fordert der DGB den massiven Ausbau des Staatsapparates.
Warum? Weil der öffentliche Dienst der Bereich ist, in dem sich heute noch am leichtesten Mitglieder rekrutieren lassen. Jeder neue Verwaltungsangestellte und jede neue staatliche Stelle ist ein potenzielles neues Gewerkschaftsmitglied, dessen Gehalt nicht mehr im rauen Gegenwind des internationalen Wettbewerbs erwirtschaftet werden muss, sondern vom Steuerzahler bedingungslos garantiert wird.
Natürlich muss Steuerkriminalität bekämpft werden. Aber hier geht es längst um etwas anderes. Die Gewerkschaften kompensieren den Verlust an wertschöpfender Arbeit in der Wirtschaft durch die Forderung nach mehr steuerfinanzierter Arbeit im Staat.
Wenn die Antwort auf den wirtschaftlichen Niedergang lautet: mehr Staat, mehr Zugriff, mehr Kontrolle, mehr Umverteilung und mehr Beamte – dann ist das keine Arbeitnehmerpolitik mehr. Dann ist das die Flucht vor der schrumpfenden Wertschöpfung in die sicheren Arme des steuerfinanzierten Staates. Es ist schlichter Staatsausbau zur eigenen Bestandssicherung.
Und genau dagegen muss man sich wehren. Nicht, weil man gegen Arbeitnehmer ist. Sondern weil man verstanden hat, dass Arbeitnehmer nur dort sicher sind, wo Wertschöpfung noch stattfindet.
Wer Arbeit schützen will, muss zuerst dafür sorgen, dass Arbeit überhaupt noch entsteht.
Gewerkschaften dürfen laut sein. Sie dürfen unbequem sein. Sie dürfen für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Dafür wurden sie gebraucht. Dafür können sie auch heute noch gebraucht werden.
Aber wenn sie anfangen, die wirtschaftliche Mitte als Beute zu betrachten, dann verlassen sie ihren Auftrag. Dann vertreten sie nicht mehr Arbeit. Dann vertreten sie Umverteilung.
Und das ist ein Unterschied, den eine wirtschaftlich vernünftige Politik endlich klar benennen muss.