Böckinger Seeräuber - Die Legende

Die Statue des Böckinger Seeräubers

Die Geschichte der Seeräuber

Wie die Böckinger zu Seeräubern wurden

Lausche der Legende…

Des nachts im Mondschein, so munkelt man, sieht man ihn am See.

… Nur eine Legende?

Schon seit der frühen Menschheitsgeschichte im schönen Neckartal, umrahmt von fruchtbaren Auen, liegt seit jener Zeit ein Dorf an einem See, mit ganz besonderen Menschen – den Böckinger Seeräubern.
So werden sie seit alter Zeit genannt- wegen ihrer unbeugsamen, aber auch geselligen Art.

So ranken sich mehrere Legenden um dieses Dorf und seine Bewohner.

Einst lebte der Böckinger friedlich am Neckarufer. Er war ein Bauer,
bestellte Feld und Acker und arbeitete hart. Etwas raubeinig zu sein,
sagt man ihm nach, dennoch war er sehr gesellig und der Welt gegenüber
aufgeschlossen. Schließlich wohnte er direkt am Fluss und Jahr um Jahr
kamen neue Anwohner von weit her hinzu. Doch er störte sich nicht daran,
sondern erfreute sich an neuer Gesellschaft. Es wird behauptet, dass
der Böckinger Schiffen, die sich in dem Nebenarm des Neckars verirrt
hatten, gegen eine kleine „Gebühr“ wieder aus dem Schlammassel half.

Was hat das mit dem Messer auf sich?

Der Böckinger trug immer ein Messer bei sich und im Ernstfall scheute er sich auch nicht, es zu benutzen. Das war allen in der Gegend bekannt. Der wilde und ungestüme Fluss, an dem der Böckinger lebte, hieß „Neckar“, die Kelten hatten ihn so getauft. Er war nicht nur für seine Anwohner, sondern auch für die Schifffahrt gefährlich. Seine Strömung war stark und immer wieder mussten die Seefahrer den Felsen ausweichen. Auch Hochwasser bedrohte die Anwohner, überschwemmte Wege und Felder. Doch der Böckinger hielt dem stand und verstand es, auch in rauen Zeiten mit dem Fluss zu leben.

Der See

Im Jahr 1333 veränderte ein Hochwasser den Lauf des Neckars. Gleichzeitig bekamen die Heilbronner das Privileg, den Neckarlauf zu kehren und zu wenden. Und so nahmen auch sie Einfluss auf den Weg des Flusses. Dem Böckinger aber bleib von da an nur ein See, der sich aus dem nun abgeschnittenen Neckararm gebildet hatte. Dieser See aber wurde fortan zum königlichen Privatbesitz erklärt und die Obrigkeit hatte dem Böckinger untersagt, im See zu fischen. Doch dies konnte der Böckinger nicht verstehen und er ließ seinen Stolz nicht brechen. So betrachtete er auch weiterhin den vor seinen Toren liegenden See, jenen versandeten Seitenarm des Neckars, als sein Eigentum. Er trotzte dem königlichen Fischereirecht und fischte nachts heimlich am See, um sich und seine Familie durchzubringen, was ihm schließlich den Namen „Seeräuber“
einbrachte. Zu dem Ruf des Böckingers als Seeräuber trägt vielleicht auch die Legende bei, die sich um den Diebstahl einer Taufglocke aus dem Nachbardorf rankt.

Wem, wenn nicht dem Böckinger Seeräuber, kann man eine solche
Geschichte nachsagen. So vermutete man, dass der Böckinger diese Glocke gestohlen und in seinem See versenkt hat, was nie bewiesen wurde…

Deshalb an dieser Stelle die Frage ist der Böckinger nun eine Seeräuber oder ein See-Räuber?

Was bleibt

Unumstritten ist aber, der Böckinger trägt bis heute den Geist des Seeräubers in sich. Er ist mutig und charakterstark. Sein herzliches Wesen liebt Geselligkeit und ist der Welt und ihren Menschen gegenüber aufgeschlossen. Die Kämpfernatur dient seinem Schutz, und dem seiner Lieben. Mit Stolz trägt er seinen Namen. Ein echter Böckinger trägt immer ein Taschenmesser bei sich, das ist nicht nur Legende, sondern echte Tradition. Dies ist bis weit über die Grenzen der Stadt bekannt. So hat ein neuer Polizeichef von Böckingen der Legende nach ein Taschenmesser bei seiner Eröffnungsrede gezückt, mit den Worten: „Nur um zu zeigen, ich weiß, wohin ich gewechselt hab“…Auch so eine Geschichte zeigt: Man ist nicht nur Böckinger Seeräuber, wenn man hier geboren ist, denn ein echter Seeräuber zu sein bedeutet, die Werte der Seeräuber zu kennen und zu leben.

Sei weltoffen, aber unterwerfe dich nicht.
Gesellig, aber nur mit ehrlichen Leuten.
Friedfertig, wenn die anderen es auch sind.
Loyal, den richtigen Menschen gegenüber.

Der Geist der Seeräuber lebt auch in Dir.

Kai Nagel